Insights Discovery und Insights MDI

Unter dem Namen Insights werden diverse Persönlichkeitstests und Auswertungen verkauft, die nach professioneller Beurteilung jedoch nicht viel taugen.

Coaching falsch gemacht

Es ist erschreckend, was von Unternehmensberatungen und Coaches als ernsthafte oder gar vermeintlich wissenschaftliche Persönlichkeitstests gehandelt wird. Wenn Personalabteilungen ihren Mitarbeitern Trainingsprogramme mit hanebüchenen Persönlichkeitstests präsentieren, ist es nicht verwunderlich, dass solche Maßnahmen des Öfteren einen zweifelhaften Ruf genießen. Wenn man sich dann noch ansieht, was viele dieser Tests pro Teilnehmer kosten, kann man sich nur ungläubig an den Kopf fassen.

Ein Kandidat, der in der Reihe der schlechten kommerziellen Tests mit ganz oben steht, ist der Insights Discovery, bzw. Insights MDI. Er basiert nicht nur auf einem, sondern auf gleich zwei komplett veralteten, fehlerhaften Persönlichkeitsmodellen: auf dem 80 Jahre alten Modell nach Marston, dessen prominentester Vertreter der direkt mit Sternzeichen vergleichbare und quasi inhaltsleere DISG ist. Und auf dem 90 Jahre alten Modell nach C.G. Jung, das zwar nicht komplett fehlerhaft ist, aber dennoch jede Menge falscher Aussagen enthält, die man nach modernem Wissen nicht mehr so stehen lassen kann. Das bei einer Kombination dieser Modelle nichts gutes herauskommen kann, ist klar.

Eine Stellungnahme des Berufsverbandes Deutscher Psychologen* bezüglich eines Gutachtens über den Insights MDI ist sehr aufschlussreich, was die nicht vorhandenen Kompetenzen und angeblichen Vorteile dieses Tests angeht. Die dem Insights Test zu Grunde liegende Typologie von C.G. Jung wird dort als „antiquiertes Modell ohne empirische Belege“ bezeichnet, die von Marston als „typologischer Ansatz ohne empirische Forschung“. Dem Insights Test fehlt also eine fundierte psychologische Grundlage, die modernen Erkenntnissen entspricht. Das beim Insights nach Auswertung die Antworten von Teilnehmern uminterpretiert werden, ist ethisch nicht verantwortbar. Sehr vielsagend ist auch die Expertenbeurteilung der Insights Discovery Ergebnisse mit dem Satz: “Die blumigen Formulierungen täuschen über Inhaltsleere hinweg”. Das ist ein Phänomen, dass leider bei sehr vielen kommerziell vertriebenen Persönlichkeitsmodellen zu beobachten ist: viel Lärm und total übertriebene Versprechungen was der Test alles kann, stehen substanzlosen Inhalten gegenüber. Ein weiterer Psychologe findet sehr deutliche Worte zum Insights Modell:

„Unbrauchbares Instrument, dessen schwache theoretische Fundierung durch eine fehlerhafte Operationalisierung verschlimmert wurde …”

Vom Einsatz des Insights Tests bei Personaltraining, Auswahl oder Coaching raten die Experten eindringlich ab. Ich kann mich diesem Urteil nur anschließen. Insights zur Personalauswahl oder Teamentwicklung einzusetzen ist ungefähr so sinnvoll, wie einen zwanzig Jahre alten Windows 95 PC für die IT-Abteilung zu nutzen. Die ungenügende psychologische Fundierung von Insights bestätigt, was ich bereits anderswo ausgeführt habe: kostenlose Persönlichkeitstests sind häufig besser als kommerziell Vertriebene. Teure Lizenzierungen und ein aufwendiges Vertriebssystem sind bei Persönlichkeitstests in erschreckend vielen Fällen ein klares Zeichen dafür, dass sie nichts taugen. Das einzige Interesse der Vertreiber liegt in solchen Fällen darin, Geld mit Coachings und Testverkäufen zu verdienen. Tatsächliche Qualität, wissenschaftliche Relevanz und Aktualität der Tests spielen für sie keine Rolle. Das einzige was bei diesen Tests wirkt, ist der Barnum-Effekt: man erkennt sich in den Ergebnissen wieder, da sie positiv und allgemein gehalten sind. Daher mein Rat: Finger weg von den Insights Tests.
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Empfehlenswerte Tests:
Typentest, Big Five, VIA-IS Charakterstärken, Reiss Profile, Bochumer BIP

Ebenfalls zweifelhafte Persönlichkeitstests:
Gallup/Clifton Strenghtsfinder, GPOP, NeuroIps, Enneagramm

Quellen:
– Hornke, Kersting, (2005). Stellungnahme zum Gutachten (respektive dem vorliegenden Auszug) von Prof. Claudia Eckstaller, Prof. Dr. Erika Spieß und Dipl. Psych. R. M. Woschée zur Beurteilung von INSIGHTS MDI Version 2 Potential Analyse.
– Jäger, R. S. (2004). Test im Test. Insights MDI – Wissenschaftlich betrachtet. PersonalMagazin

Bild von Piers Nye

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2 Antworten auf Insights Discovery und Insights MDI

  1. Burkhard May sagt:

    Danke,

    besonders bezeichnend die windige Q-Pool-Affäre rund um die DIN 33430 – Zertifizierung für den Insights MDI.

    Sehr lesenswert:
    http://www.welt.de/print-welt/article294811/Mit-Guetesiegel.html

    Es gibt Kollegen, die sind sich für nicht zu schade. Traurig…

  2. Franz sagt:

    Finde ich faszinierend – das Profil welches ich erhalten habe, matched zu 99% auf mich – kann mich nicht beklagen.

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