Warum uns fiktive Persönlichkeitsmodelle wie Astrologie mehr ansprechen wie Faktische

Warum ist der Großteil der Menschen viel interessierter an fiktiven Geschichten, an Kinofilmen und Büchern, als an faktischem Geschichtsunterricht?

Weil die fiktiven Geschichten komplexe Dinge sehr vereinfacht und komprimiert darstellen. Weil sie keine Rücksicht auf die Realität nehmen müssen, sondern Geschichte(n) so erzählen können, wie es am spannendsten und unterhaltsamsten ist. So wie es unsere Emotionen am stärksten anspricht.

Obige ist die gleiche Grundlagenfrage wie bei Persönlichkeitstests, nur in einem anderen Gebiet. Die Realität in Form der Big Five und anderer wissenschaftlicher Tests ist sehr komplex, nicht immer komplett verständlich oder bis ins letzte Detail geklärt, schnöde, und oft auch langweilig oder deprimierend.
Addiert man dazu jedoch etwas Fantasie, fügt fiktive Elemente hinzu die nicht den Fakten entsprechen, aber den Test oder die Profile spannender machen, und fügt vor allem Dinge hinzu, die unsere Emotionen ansprechen und uns zu Spekulationen anregen, hat man die Antwort: Es gefällt uns besser. Wir finden uns gefühlt besser darin wieder und wohler. Das ist der Reiz von MBTI, DISG und Co.. Oder von reinen Fantasiesystemen wie Horoskopen: Wir WOLLEN, dass sie funktionieren, weil sie uns mehr ansprechen.

Natürlich ist dies auf den Forer-Effekt und andere psychologische Fallen zurück zu führen. Auf mich haben sie über Jahre hinweg gewirkt, was den MBTI angeht, denn es ist schwer davon wegzukommen und seine eigenen Gedanken und vorgefassten Meinungen zu überwinden. Auf andere wirken sie Jahrzehnte. Weil wir WOLLEN, dass es stimmt. Weil sich das durch künstliche Fantasielemente gestützte Persönlichkeitsmodell besser anhört als die Realität. Besser anfühlt als die Big Five oder andere schnöde, wissenschaftliche Systeme. Doch was außer Unterhaltung und kurzfristige Anregung bringt ein Persönlichkeitsmodell, dass nicht Fakten und die Realität darstellt, sondern nur ein erdachtes Konstrukt?
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2 Responses to Warum uns fiktive Persönlichkeitsmodelle wie Astrologie mehr ansprechen wie Faktische

  1. Maria Trepp sagt:

    Ich unterrichte zu diesem Thema in den Niederlanden in der Master-Ausbildung Angewandte Psychologie. Was mir auffällt: die wissenschaftlich unterbauten Persönlichkeitsmodelle enthalten Informationen, die sehr relevant sind für die Arbeit und Gesundheit, vor allem die Skala Emotionalität/Neurotizismus. Hochemotionale Personen sind anfälliger für Burnout und andere Gesundheitsprobleme. Deshalb findet man diese Dimension nicht im MBTI, der gefälliger, nichtssagender und außerdem auf simplifizierendem Schwarz-Weiß-Denken aufbaut.
    Relevant und wissenschaftlich heißt nämlich auch: brisant und confrontierend.
    Was die meisten Menschen suchen, ist nicht ein wissenschaftliches Persönlichkeitsmodell, sondern ein System, das ihnen das Reden über sich selbst ermöglicht. In rosigen Farben natürlich. Ja, so sind wir Menschen (Systematische Selbstüberschätzung siehe Sozialpsychologie).

  2. Lars Lars sagt:

    Hallo Maria,

    Was die meisten Menschen suchen, ist nicht ein wissenschaftliches Persönlichkeitsmodell, sondern ein System, das ihnen das Reden über sich selbst ermöglicht.

    Ich glaube nicht, dass die meisten konkret so etwas suchen. Aber ein solches System ist am erfolgreichsten, da es die beste Resonanz erzeugt und durch das darüber Reden am weistesten verbreitet wird.

    Schöne Grüße
    Lars

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