Der Barnum-Effekt und andere psychologische Fallen

Was ist auf dem Bild links zu sehen: Ein Mann der sitzt oder ein Mann, der liegt?

Was auf den ersten Blick recht klar scheint, ist manchmal auf den zweiten Blick doch ganz anders.

 

 

 

 

Wie wir von psychologischen Tricks getäuscht werden

Genauso wie es optische Täuschungen gibt, so gibt es auch psychologische Täuschungen. Eine davon ist der Barnum-Effekt, auch Forer-Effekt genannt. Er kommt bei Persönlichkeitstests zum tragen, so wie bei allen Arten von Texten die unsere Person beschreiben, und ist einer der Gründe, warum manche Menschen auch heute noch an Astrologie glauben. So funktioniert er: ein Text, der eine Person beschreibt, enthält möglichst vage und allgemeingültige Aussagen.

Ein Beispiel:

Anderen Menschen gegenüber verhalten Sie sich manchmal extrovertiert und offen und manchmal introvertiert und zurückhaltend. Viele Menschen kennen sie nur oberflächlich. Sie neigen dazu, ab und an an der Richtigkeit ihrer Entscheidungen zu Zweifeln. Einige Ihrer Fähigkeiten liegen brach und werden von Ihnen nicht voll genutzt. Sie möchten Sicherheit und manchmal empfinden Sie Ängste, dass diese Sicherheit in Gefahr ist. Ihre Arbeitsstelle ist Ihnen wichtig und auch auf ein gute Beziehung legen Sie Wert. Wenn Sie von anderen nicht die Bestätigung erhalten, die Sie erwarten, neigen Sie zu Selbstkritik. Mitunter scheinen Ihre Wünsche und Vorstellungen unrealistisch zu sein.

Diese Beschreibung trifft auf 95% aller Menschen zu. Sich darin teilweise oder komplett wieder zu erkennen, sagt daher gar nichts aus und ist ganz normal. Auf genau diese Weise funktionieren Horoskope und Co: die Aussagen treffen auf nahezu alle Menschen zumindest teilweise zu, bestehen aus schwammigen Formulierungen wie “oft”, “neigen zu”, “manchmal”, “ab und zu” und so weiter. Auf diese Weise kann so ein Profil fast gar nicht falsch liegen. Es wurden im Laufe der Zeit viele Studien gemacht, in denen Menschen derartige Beschreibungen im Rahmen eines Horoskops oder Persönlichkeitstests gegeben wurden (alle Teilnehmer haben die gleiche Auswertung bekommen), und meistens liegt die Zustimmungsrate bei 90% der Teilnehmer oder höher, viele von ihnen empfinden solche Texte sogar als vollkommen passend.

Dabei spielt nicht nur der Barnum-Effekt eine Rolle, sondern es gibt noch eine ganze Reihe weitere Effekte, die unsere Eindrücke unbewusst beeinflussen:

  • Der Bestätigungsfehler (zum Wikipedia-Artikel)
    Bedeutet, dass wir Informationen so auswählen und interpretieren, dass sie unsere Erwartungen erfüllen. Gegenteilige Informationen blenden wir aus oder wiegeln sie ab. Beispiel: Blondinen sind dumm. Treffen wir eine dumme Blondine, sehen wir uns bestätigt. Die zehn die wir davor getroffen haben, die nicht dumm waren, ignorieren wir. Klischees und Vorurteile werden auf diese Weise durch den Bestätigungsfehler am Leben erhalten. Auch Menschen mit Narzissmus sehen ihre eigene Wichtigkeit oft auf diese Weise bestätigt und Menschen mit negativem Selbstbild sehen eben dieses auf die gleiche Weise bestätigt. Beides zu Unrecht.
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  • Der Halo-Effekt (zum Wikipedia-Artikel)
    Kommt vom Heiligenschein = Halo. Bezeichnet unsere Tendenz, von bekannten Eigenschaften auf Unbekannte zu schließen. Beispiel: Eine Gutaussehende Person muss auch sympathisch sein; oder: Ein Priester kann kein Verbrechen begehen. Der Effekt führt dazu, dass wir in völlig unabhängigen Eigenschaften Zusammenhänge sehen, die in Wirklichkeit gar nicht existieren und das wir aufgrund eines positiven Bestandteiles alle anderen Bestandteile auch positiv ansehen (oder umgekehrt aufgrund eines negativen alle negativ). Unser Gehirn greift quasi voraus, ergänzt Dinge und liegt dabei häufig falsch.
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  • Der Placebo-Effekt (zum Wikipedia-Artikel)
    Der bekannteste und wohl auch mächtigste Effekt. Wirkt nicht nur in der Medizin, sondern überall im täglichen Leben und ist nicht zu unterschätzen. Unsere eigene innere Erwartungshaltung und die durch andere Menschen von außen beeinflussen uns so stark, dass wir denken, etwas funktioniert oder hat eine Wirkung, auch wenn es die nicht hat. Beispiel: Medizin ohne Inhaltsstoffe; Glücksbringer & Unglücksbringer. Niemand ist vor diesem Effekt gefeit. Er ist der Grund, warum es in Studien so genannte Kontrollgruppen gibt: Um sicher zu stellen, dass nicht die Untersuchung oder Aufgabe an sich bereits eine Wirkung erzielt. Die Kontrollgruppe besteht aus Menschen, mit denen einfach nichts gemacht wird oder die ein Placebo bekommen.

All diese Effekte wirken natürlich auch bei Persönlichkeitstests und Beschreibungen unseres Charakters, denn wir lassen uns sehr leicht hinters Licht führen von solchen psychologischen Fallen. Persönlichkeitstests profitieren von diesem Effekt, da sich Teilnehmer meist in den Ergebnissen wieder erkennen, egal ob diese wirklich passend sind. Nämlich wenn sie vage stimmen (Barnum-Effekt), wir dieses Ergebnis erwartet haben (Bestätigungsfehler), sie schmeichelnde, positive Punkte beinhalten (Halo-Effekt), und wenn wir davon überzeugt sind, das der Test funktioniert (Placebo-Effekt).

Alles nur Illusion?

Können wir also unseren eigenen subjektiven Eindrücken nicht vertrauen? Doch. Aber uns sollte klar sein, dass wir stets von diesen Effekten beeinflusst werden. Kein Mensch ist frei davon. Sie zu kennen kann allerdings helfen, ihren Einfluss zu erkennen und zu minimieren.

Aufgrund dieser Effekte ist es bei Persönlichkeitstests sehr wichtig, dass sie wissenschaftlich abgesichert sind, nur Eigenschaften messen die real überprüft wurden, und keine schwammigen Beschreibungen enthalten, denen die meisten Menschen zustimmen können.
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Foto von Christopher Hassler

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Eine Antwort auf Der Barnum-Effekt und andere psychologische Fallen

  1. lisa Abc sagt:

    war ganz gut

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