Selbstverliebte Narzissten? Die Persönlichkeitsmerkmale von Spitzenmanagern

Aufmerksamkeitsgeil und veraltete Modelle

In einer Bachelorarbeit aus dem Jahr 2013 wurde an der Uni Augsburg untersucht, was die Persönlichkeit von Spitzenmanagern ausmacht. Analysiert wurde anhand von Big Five und MBTI Persönlichkeitstests. Warum hier neben dem aktuellen Forschungsstandard der Big Five auch der zu diesem Zeitpunkt bereits total veraltete MBTI zu Rate gezogen wird, ist fraglich. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass er aufgrund seines rein kommerziell angelegten Modelles und der aggressiven Vertriebspolitik nach wie vor häufig in Unternehmen und deren Spitzpositionen genutzt wird – auch wenn aufgrund mangelnder Qualität davon klar abzuraten ist.

Die Ergebnisse:

Manager sind meist extrovertierter, also kontaktfreudiger und lebhafter als der Durchschnittsmensch. Eine wichtige Teileigenschaft der Extraversion ist der Drang nach Erfolgserlebnissen, was in der Führungsriege unerlässlich ist.

Ebenfalls hat sich eine Neigung zu Offenheit für neue Erfahrungen und damit Kreativität gezeigt, was notwendig ist um Visionen und Konzepte zu entwickeln. Auch Gewissenhaftigkeit hat sich als wichtig erwiesen. Bei dieser Eigenschaft geht es darum, zielstrebig zu sein, am Ball zu bleiben und sich nicht von seinen Aufgaben ablenken zu lassen. Diese beiden Eigenschaften zeigten sich jedoch bei Managern nicht so stark vorherrschend wie die zuvor gennante Extraversion.

Eine weitere bedeutende Eigenschaft von Spitzenmanagern ist – und hier wird es interessant – Narzissmus. Eine gewisse Selbstverliebtheit in die eigene Person und Fähigkeiten gehört wohl dazu, um in der Führungsetage erfolgreich zu sein. Narzissten stehen gerne im Mittelpunkt, brauchen ständig die Aufmerksamkeit und vor allem die Anerkennung ihrer Mitmenschen und präsentieren sich selbst gerne im allerbesten Licht. Auch wenn eine Prise Narzissmus in der Führungsetage beruflich von Vorteil sein mag, ist eine narzisstische Neigung dennoch ein zweischneidiges Schwert, das auch nach hinten losgehen kann.

Denn bei dieser Eigenschaft ist Vorsicht geboten: Immerhin zählt stark ausgeprägter Narzissmus als ernsthafte Persönlichkeitsstörung, die Leid für die Betroffenen und auch für Nahestehende verursacht und eine ärztliche beziehungsweise psychologische Behandlung erforderlich macht. Extreme Selbstverliebtheit führt dazu, ein geringes Selbstbewusstsein zu haben und komplett abhängig von und süchtig nach der Anerkennung anderer zu sein. Narzissten können manipulierend sein, ein verzerrtes, egozentrisches Bild der Realität haben, nicht in der Lage sein vernünftig mit Kritik umzugehen und zu Größenwahn neigen. Ein peferkets Beispiel für ausgelebten Narzissmus ist US-Präsident Donald Trump.

Zusammenfassend lässt sich anhand der Studie aus dem Jahr 2013 sagen, der durchschnittliche deutsche Manager unterscheidet sich von Otto-Normal-Bürger hauptsächlich durch höhere Extraversion. Des Weiteren häufig durch erhöhte Offenheit für neue Erfahrungen, erhöhte Gewissenhaftigkeit und einen etwas ungesunden Hang zur Selbstliebe, dem Narzissmus. Das sind natürlich nur Durchschnittswerte und trifft nicht auf jeden Einzelnen zu.
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Quelle:
Persönlichkeitsmerkmale von Spitzen-Managern: Anhand des Myers-Briggs-Typindikators und des NEO-Fünf-Faktoren Inventars; Christian Mai, 2013

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