Leserfrage: Was ist der beste Persönlichkeitstest?

Leserfrage: Welcher Persönlichkeitstest ist der Beste?

Antwort: Dazu lässt sich keine klare Antwort geben, denn es hängt davon ab, für was man den Persönlichkeitstest benutzt, und was man von ihm erwartet.

Im Detail: Möchte man die Persönlichkeit möglichst realitätsnah einschätzen, so gibt es drei zentrale Kriterien dafür: wie valide, reliabel und objektiv ein Test ist. Das bedeutet: misst er tatsächlich das was er vorgibt zu messen, wie gut misst er es, kommt nach einer Wiederholung des Tests nach einigen Wochen oder Monaten ein sehr ähnliches oder gleiches Ergebnis heraus, und beeinflusst er den Probanden nicht in eine bestimmte Richtung?

Nach diesen Kriterien gibt es einen eindeutigen Klassenbesten, nämlich das Modell der Big Five, von dem es zahlreiche verschiedene Tests und auch Abwandlungen gibt. Auch der Typentest Persönlichkeitstest basiert auf den Big Five.

Es gibt jedoch noch andere Persönlichkeitstests und Modelle, die keine klassichen Persönlichkeitseigenschaften messen, sondern z.B. Charakterstärken (VIA-IS) oder grundlegende Bedürfnisse (Reiss Profile). Mehr zu diesen verschiedenen Tests gibt es in der Großen Liste der Persönlichkeistests.

Daneben gibt es noch Modelle, die ganz spezielle Dinge analysieren, z.B. einen Berufstest der Berufsinteressen herausfinden soll, oder Hofstedes Kulturdimensionen, welche sich nicht mit der Person an sich befassen, sondern mit deren Kulturhintergrund.

Zu guter letzt gibt es natürlich noch die Motivation, einen Test nur zum Spaß zu machen, und keinen Wert auf ein realitätsnahes oder verlässliches Ergebnis zu legen. Dann ist es egal, ob ein Test irgendwelche Qualitätskriterien erfüllt, und gerade unsinnige oder horoskopähnliche Tests erfüllen ebenfalls die Anforderungen, da es nur darum geht, sich davon unterhalten zu lassen.

Fazit: für den “besten” Test gibt es klare Qualitätskriterien nach denen man sich richten kann, je nach Bedarf oder Gusto kann aber auch ein anderer Test der Richtige sein.

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6 Antworten auf Leserfrage: Was ist der beste Persönlichkeitstest?

  1. Hi!

    Ich finde den StrengthFinder von Gallup sehr interessant. Bekommt man gratis mit dem Kauf des Buches “Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!” vom Campus Verlag

    LG

  2. Lars Lars sagt:

    Hallo Michi Hirschmann,

    wenn man ihn nur durch Kauf des Buches bekommen kann, ist er nicht gratis ;)

    Ich habe mir den Strengthsfinder bereits hier näher angesehen, seine Qualität und sein Nutzen sind eher durchwachsen. Gerade wenn man berücksichtigt, dass es mit dem VIA-IS eine qualitativ bessere und kostenlose Alternative gibt

    Schöne Grüße
    Lars

  3. GuybrushThreepwood sagt:

    Was mich am Big Five stört, ist dass er durch seine Bezeichnungen schon indirekt Wertungen suggeriert. Natürlich wird dann zwar immer erklärt, dass der Big5 solcherlei Wertungen gar nicht vornehmen möchte und jede Charakterausprägung je nach Lebenssituation mal Vor- und mal Nachteile mit sich bringen kann.
    Trotzdem ist die Suggestionswirkung ja aber da, zumindest für den psychologischen Laien. Die Bezeichnungen sind daher teilweise schlecht gewählt worden.

    Offenheit für Erfahrungen
    –>”positiv”
    Gewissenhaftigkeit
    –>”positiv”
    Extraversion
    –>schon eher neutral
    Verträglichkeit
    –> “positiv”
    Neurotizismus
    –> “negativ

    Verleitet mich fast zur der steilen These, dass die Psychologen, die sich den Big5 ausgedacht haben, die Bezeichnungen unbewusst in dem Sinne positiv gewählt haben, wie sie selbst eingeordnet hätten.
    Denn ich schätze doch mal so aus dem Bauchgefühl, dass eben die meisten Psychologen eben eher “offen für Erfahrungen”, eher “gewissenhaft” und auf jeden Fall “verträglich” sind. Das Intros/Extros mag entsprechend eher ausgeglichen sein. Entsprechend vielen die Begriffe in ihrem Sinne positiv aus.

  4. Lars Lars sagt:

    Hallo GuybrushThreepwood,

    das Problem ist: Jeder Begriff für diese Eigenschaften ist nur ein Kompromiss. Denn jede Eigenschaft beeinhaltet verschiedenste Facetten, die mit einem Begriff nicht abzudecken sind. Extraversion ist nur deswegen neutral, weil dieser Begriff urpsprünglioch für genau diese Eigenschaft erfunden wurde und nichts anderes bezeichnet.

    Die Big Five wurden nicht im klassischen Prinzip “erfunden”. Sie wurden eher entdeckt: Nach dem lexikalischen Prinzip hat man Leute sich mit tausenden von Wörtern einschätzen lassen und dann mittels Statistik ermittelt, welche Eigenschaften am Häufigsten zusammen genannt werden. Zum Beispiel aktiv, kontaktfreudig und energiegeladen für die Eigenschaft Extraversion. Dadurch entstanden dann die Big Five.

    Die Suggestionswirkung ist da, weil es so ist: In unserer Kultur ist hohe Gewissenhaftigkeit, hohe Veträglichkeit etc. von Vorteil und gilt als erstrebenswert. Das kommt nicht durch die Testersteller, sondern dadurch wie Menschen sich selbst und andere sehen (siehe lexikalisches Prinzip). Wir Menschen sehen diese Eigenschaften als negativ und positiv, nicht die Testersteller. Hätte man die Big Five nachträglich so verändert, dass alle Eigenschaften neutral sind, dann hätte man quasi die Realität verbogen und einen Test geschaffen, der nur künstlich erschaffene Eigenschaften misst.

    Schöne Grüße
    Lars

  5. Holger sagt:

    Hallo Lars (,hallo @ all,)
    zunächst einmal ein dickes Lob dafür, dass Du
    a) den Anspruch / die Erwartungshaltung
    b) insgesamt mit Typentest.de kritisch analysierst
    und auch differenzierst bzw. darauf aufmerksam machst, dass beim Big Five Persönlichkeitstest viele verschiedene Versionen im Umlauf/Angebot da sind.

    Dabei werden wohl auch einige Schalatan-Anbieter dabei sein, die einen billigen, inkorrekten Abklatsch des ursprünglichen Big 5 Tests anbieten, so dass man sich nicht sicher sein kann, ob die wissenschaftlichen Gütekriterien für Persönlichkeitstests bzw. Tests erfüllt sind. (Es gibt aber auch zumindestens einen [kostenpflichtigen] Test, der die Big Five auf Big 3 Persönlichkeitsfacetten reduziert, der die wissenschaftlichen Kriterien NICHT erfüllt und trotzdem gut ist und auch hilfreiche Tipps gibt [wenn man kein allzu differenziertes Persönlichkeitsprofil erwartet].

    M.E. sind die Big Five schon grundsätzlich als der Standard der Persönlichkeitsforschung in Ordnung und solide, aber neuere Erkenntnisse bspw. von Rüdiger Hossiep (Eignungsdiagnistik-Papst und Entwickler des BIP = Bochumer Inventars berufsbezogener Persönlichkeitsbeschreibung) beanstanden hier “ein zwei Dinge”, die Dimensionen überschneiden sich leicht, aber insgesamt ist er dennoch i.O., v.a. wenn er umsonst ist (und sich an das Original hält und man keine differenzierte Persönlichkeitsanalyse mit Empfehlungen erwartet).

    Zu Deiner “Großen Liste der Persönlichkeitstests”:
    -Deiner Kritik in Bezug auf den DISG und v.a. den MBTI stimme ich vollumfänglich zu! Gerade die Macher des MBTI sind nur am Verkauf interessiert, nicht jedoch an der Beseitigung von zurecht kritisierten Mängeln…
    -Die Aussage, dass kostenpflichtige Tests nicht überprüft und weiterentwickelt werden und auch nicht besser sind als kostenlose Tests, (ausgenommen von Dir identifizierte schwarze Schafe + das Reiss-Profile) kann ich nicht zustimmen:
    a)Es existieren durchaus Fälle, wo Überprüfungen und Anpassungen geschehen, bspw. beim o.a. BIP, da steht ein stetig arbeitendes Testteam dahinter, das auch öfter und auch z.Zt. eine Validierung unternimmt.
    b) Viele kostenpflichtige professionelle Tests sind zielgruppenspezifischer (bspw. für [potenzielle] Führungskräfte oder Gründer vorgesehen), erfüllen die Gütekriterien (noch) besser als der Big Five, sind differenzierter, geben teilweise präferierte beruflich relevante Teamrollen an und haben v.a. Empfehlungen parat. Hinzu kommt, dass viele dieser Persönlichkeitstests auch mehrere Vergleichnormen anbieten, d.h., dass ich z.B. pro Persönlichkeitsfacette sehen kann, ob ich überdurchschnittlich bin oder sogar, wieviel Prozent der Vergleichsgruppe eine höhere bzw. niedrigere diesbezügliche Ausprägung hat. Auch der Auswertungsbericht ist länger, der BIP z.B. hat eine 8 Seiten Auswertung, andere Tests bis zu 45 Seiten. All das (inkl. regelmäßige Validierungen) kostet natürlich Geld.

    Fazit: Big 5 sind i.O., wer aber einen professionellen (aber dafür kostenpflichtigen aber fair-preisigen) Persönlichkeitstest oder professionellen Orientierungstest für Schüler inkl. Big Five sucht, schaut bitte vorbei bei
    https://www.profilanalysen.de/e-shop/ueberblick

  6. Lars Lars sagt:

    Hallo Holger,

    Vielen Dank für deinen Kommentar.

    Gegen das BIP habe ich nichts einzuwenden, ich hebe ihn ihm Gegenteil als einen der wenigen sinnvollen kommerziellen Tests hervor.
    Dass das BIP fortwährend weiterentwickelt wird ist lobenswert, allerdings ist es dennoch kein von unabhängiger wissenschaftlicher Seite geprüfter, sondern ein kommerzieller Test.

    *…erfüllen die Gütekriterien (noch) besser als der Big Five…*
    Wissenschatfliche Gütekriterien? In unabhängigen, wissenschaftlichen Studien? Das bezweifle ich sehr stark, denn das wäre eine Sensation und ist bisher keinem Test gelungen, abgesehen von diversen leichten Variationen der Big Five, wie z.B. dem IPIP oder Hexaco.
    Das manche dieser Tests im Nutzwert höher sind als ein reiner Big Five Test, zweifle ich nicht an. Das liegt in der Natur der Sache, da die Big Five ein reiner Tatsachenbericht ohne weitere Hilfestellung sind. Ebenfalls sind mir im Big Five Bereiche keine “schwarzen Schafe” bekannt.

    Schöne Grüße
    Lars

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