Tipp für Introvertierte: Wir sollten mehr alleine machen, denn wir unterschätzen wie viel Freude wir dabei haben

Solo-Aktivitäten werden unterschätzt

Eine aktuelle amerikanische Studie hat untersucht, wie wir uns bei Freizeitaktivitäten fühlen, die wir alleine machen. Ein Kino- oder Konzertbesuch, ein Ausflug ins Museum oder ein Essen im Restaurant sind klassische Aktivitäten, die wir meist zusammen mit Freunden, Bekannten, der Familie oder dem Partner genießen. Die Studie zeigt jedoch, dass viele Menschen gehemmt sind, solche rein dem Vergnügen dienenden Freizeitaktivitäten alleine zu bestreiten. Besonders dann, wenn sie dabei von anderen Menschen beobachtet werden. Offenbar befürchten wir bei Solo-Aktivitäten eine negative Beurteilung über unsere sozialen Kontakte, dass es aussähe als hätten wir keine Freunde wenn wir alleine Spaß haben. Hat eine Aktivität einen praktischen Effekt, z.B. Sport oder handwerkliche Arbeiten, oder sehen uns dabei nur wenige Leute, verringert dies entsprechend die Hürde, es nicht alleine machen zu wollen.

Generell überschätzen wir, wie sehr unsere Freude an einer Aktivität davon beeinflusst wird, ob wir dabei eine Begleitung haben. Denn so gut wie jede Aktivität lässt sich auch alleine genießen. Ein Praxistest in der Studie zeigte: bei Aktivitäten die alleine genauso funktionieren wie mit anderen (also z.B. nicht Teamsport oder Brettspiele) haben wir nahezu genauso viel Spaß alleine wie zusammen mit anderen. Und: wir überschätzen grandios, wie sehr andere uns beurteilen oder überhaupt bemerken. In Wirklichkeit kümmern sich die meisten Menschen hauptsächlich um ihre eigenen Angelegenheiten, achten nur wenig auf uns und das was wir machen, und beurteilen uns nicht ansatzweise in dem Maße, wie wir denken. Meist bemerken sie uns gar nicht.

Es gibt also keinen Grund für ein Stigma, nicht alleine auszugehen und Spaß zu haben. Gerade für introvertierte Menschen und schüchterne Menschen bedeutet dies eine Erleichterung. Keiner beurteilt uns negativ, nur weil wir alleine sind. Natürlich brauchen extrovertierte Menschen häufiger Kontakt mit anderen und fühlen sich oft schnell einsam. Aber auch für sie kann es sich lohnen, unabhängiger zu werden und auch einmal nur mit sich selbst loszuziehen. Einsamkeit heißt nämlich nicht, dass wir alleine sind, sondern das wir uns alleine fühlen – und das hängt größtenteils nicht davon ab, ob wir Menschen um uns herum haben oder nicht.

Fühlen wir uns einsam und bleiben aus diesem Grund zu Hause und unternehmen nichts, hilft das selbstverständlich nicht, diese Einsamkeit zu bekämpfen. Gehen wir stattdessen aber Aktivitäten nach, werden wir daran höchstwahrscheinlich genauso viel Freude haben, wie in Begleitung anderer. Das heißt nun nicht, dass wir Freunde oder den Partner nicht mehr in unsere Unternehmungen mit einbeziehen sollen, ganz und gar nicht. Es bedeutet lediglich, dass wir Aktivitäten auch dann machen sollten, wenn gerade niemand Zeit oder Lust hat, uns zu begleiten, denn wir werden mehr Freude alleine dabei haben, als wir erwarten.
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Quelle:
Ratner, Rebecca K., and Rebecca W. Hamilton. “Inhibited from Bowling Alone.” Journal of Consumer Research (2015): ucv012.

Bild von UweRichterPhotography

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Eine Antwort auf Tipp für Introvertierte: Wir sollten mehr alleine machen, denn wir unterschätzen wie viel Freude wir dabei haben

  1. julius sagt:

    Ich glaube, dass es besonders für introvertierte Menschen schwierig ist, aus der Prokrastinationsfalle herauszukommen. Ist es da nicht noch viel schwieriger, sich aufzuraffen wenn man schon vor den Reaktionen dder Mitmenschen Angst hat?

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