Die Vorteile von trauriger Musik

Bei gedrückter Stimmung hören wir lieber traurige Musik anstatt fröhlicher Popsongs. Doch warum mögen wir überhaupt traurige Musik und warum genau in diesen Momenten? Eine Studie gibt Antworten.

Nothing else matters…

In unserem Leben versuchen wir Trauer zu vermeiden, doch traurige Musik hören wir gerne. Was wollen wir damit erreichen? Einfach gesagt das simulieren von Gefühlen. Traurige Musik lässt uns ein Gefühl der Traurigkeit verspüren, ohne dass wir die realen Konsequenzen von Traurigkeit ertragen müssen, zum Beispiel ein negatives Ereignis oder negative Gedanken. So können wir dieses Gefühl erleben, ohne davon negativ beeinflusst zu werden.

Doch traurige Musik hat noch mehr Wirkungen auf uns: Sie hilft uns unsere Emotionen zu regulieren, regt unsere Fantasie und unsere Empathie (Mitgefühl) an, wodurch sie uns Trost spenden kann. Traurige Musik weckt dabei vor allem Gefühle von Nostalgie, aber auch von Friedfertigkeit, Zärtlichkeit und natürlich Traurigkeit in uns. Sie scheint hauptsächlich deshalb so stark zu wirken, weil sie Erinnerungen in uns weckt – die nicht zwangsläufig traurig sein müssen, wie die Reihe der ausgelösten Gefühle zeigt.

Die von den Studienteilnehmern am häufigsten genannten traurigen Musikstücke waren:

  • Adagio for strings Op.11 von Samuel Barber
  • Moonlight sonata: Piano sonata No. 14 von Ludwig van Beethoven
  • Adagio in G minor von Tomaso Albinoni

Der Hauptgrund warum wir traurige Musik bewusst einschalten, ist Kummer bzw. ein emotionaler Stresszustand. Am meisten wissen wir traurige Musik deshalb dann zu schätzen, wenn wir gerade solchen emotionalen Stress verspüren. Es ist ein bisschen so, als würde diese Musik mit uns mitfühlen, unsere Seele streicheln und uns Trost spenden. Menschen mit den Persönlichkeitsmerkmalen hoher Empathie und/oder hohem Neurotizismus (Empfindlichkeit) mögen traurige Musik besonders. Wahrscheinlich deswegen, weil sie in ihnen stärkere Emotionen auslöst als in Menschen, bei denen diese Merkmale schwächer ausgeprägt sind.

Glück allein macht nicht glücklich

Eine Folgestudie der gleichen Autoren wie der Studie zu trauriger Musik wurde mit fröhlicher Musik durchgeführt. Dabei hat sich gezeigt, das insbesondere das simulieren von traurigen Gefühlen ohne realen Hintergrund und das verstärken von Empathie Dinge sind, die stärker durch traurige als durch fröhliche Musik angeregt werden. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass wir nicht immer nur nach Glück und Fröhlichkeit streben sollten, sondern dass auch das Gefühl der Traurigkeit einen wichtigen Platz im Leben hat und uns Vorteile bringen kann – bei denen Musik eine wichtige Rolle spielt.
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Quelle:
The Paradox of Music-Evoked Sadness: An Online Survey, Link

Bild von Federico Garagiola

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Eine Antwort auf Die Vorteile von trauriger Musik

  1. Man hört traurige Musik aus demselben Grund, aus dem man auch traurige Filme ansieht. In beiden Fällen ist man nicht selbst traurig, sondern identifiziert sich mit dem Gefühl eines anderen. Der Unterschied ist lediglich der, dass man sich bei Musik anonym identifiziert. Näheres zu dieser Erklärung erfahren Sie in der Arbeit „Musik und Emotionen – Studien zur Strebetendenz-Theorie“, die Sie unter dem Link http://www.willimekmusic.de/musik-und-emotionen.pdf kostenlos herunterladen können.
    Bernd Willimek

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