Der Unterschied zwischen introvertiertem und schüchternem Verhalten

Introvertierte Menschen werden oft für schüchtern gehalten, was jedoch nicht stimmt. Eine Erklärung.

Wer gerne allein ist, muss noch lange nicht schüchtern sein

Viele Menschen verbringen ihre Zeit gerne alleine mit Lesen, Fernsehen, Musik, Sport, Computerspielen oder was auch immer ihnen Freude bereitet. Sie gehen auch gerne unter Menschen und haben Spaß daran mit anderen zusammen etwas zu unternehmen, jedoch brauchen sie nicht andauernd Geselligkeit. Diese Charaktereigenschaft nennt man introvertiert und so gut wie jeder hat schon einmal davon gehört. Nun gibt es aber noch eine andere – ähnliche – Eigenschaft, nämlich die Schüchternheit.

Schüchtern sein bedeutet, Schwierigkeiten beim Kontakt mit anderen Menschen zu haben. Nervös zu sein, wenn man mit anderen zusammen ist und sich unwohl zu fühlen, wenn zu viel Aufmerksamkeit auf der eigenen Person liegt. Das führt dann zu Stressreaktionen wie schwitzigen Händen, Unruhe oder Zittern und blockiert mitunter sogar die Fähigkeit klar zu denken, weswegen Schüchterne in stark ausgeprägten Fällen Mühe haben können, ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Schüchterne Menschen brauchen sehr lange, bis sie mit anderen Menschen warm werden (noch länger als Introvertierte), ganz besonders mit Fremden. Meist haben sie eine recht kleine Komfortzone in der sie sich wohl fühlen (diese umfasst bestimmte Themen, Personen und Orte), und sich außerhalb dieser Komfortzone zu begeben kann große Anstrengung für sie bedeuten. Oft haben sie ein negatives Selbstbild und denken viel (zu viel) darüber nach, wie sie auf andere Menschen wirken. Bisweilen haben Schüchterne sogar Angst vor sozialen Situationen, was dann im Extremfall bis zur Sozialphobie gehen kann. Die unterschiedlichen Beschreibungen zeigen:

Schüchternheit ist ein Problem, Introversion eine ganz normale Eigenschaft

Nur weil jemand introvertiert ist, muss der oder diejenige noch lange nicht schüchtern sein. Es verhält sich ähnlich wie mit Einsamkeit: nur weil jemand alleine ist, also gerade keine andere Person in der Nähe hat, heißt das noch nicht, dass er oder sie einsam ist. Jeder kann willentlich alleine sein und das auch genießen. Einsam zu sein bedeutet dagegen, sich die Nähe anderer Menschen und bedeutungsvolle Beziehungen zu ihnen zu wünschen, aber diese nicht zu haben. Einsamkeit kann auch – oder gerade – in einer Gruppe von Menschen auftreten, zu denen man keinen tieferen Kontakt oder Beziehungen hat. Jeder kann einsam sein. Genauso können auch extrovertierte und kontaktfreudige Menschen schüchtern sein. Das bedeutet, sie verspüren einen Drang nach Kontakt zu anderen Menschen, aber die Kontaktaufnahme fällt ihnen schwer und sie zeigen dabei Symptome von Schüchternheit: Nervosität, Selbstzweifel, Unruhe etc.

Von Natur aus sind die meisten Schüchternen introvertiert und nur wenige extrovertiert, da Extrovertierte seltener Probleme mit sozialen Situationen haben. Gleichzeitig sind jedoch die meisten Introvertierten NICHT schüchtern, denn Schüchternheit ist ein spezielles Phänomen, dass zwar vermehrt Introvertierte betrifft, aber bei den meisten Introvertierten gar nicht auftritt. Darum: Schüchterne dürfen wir nicht automatisch mit Introvertierten gleichsetzen.
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Gegen Schüchternheit lässt sich übrigens einiges machen, denn man kann sie Schritt für Schritt abtrainieren. Mehr dazu auf meiner Infoseite zu Schüchternheit.

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Bild von Tambako The Jaguar

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