Facebook und Persönlichkeit Teil 2: was Statusupdates über uns verraten

In einer groß angelegten Studie wurden Facebook Statusupdates untersucht und herausgefunden, was diese über das Geschlecht, das Alter und die Persönlichkeit des Users aussagen.

Word Clouds mit typischen Begriffen, die häufig von Introvertierten und Extrovertierten benutzt werden:

Erklärung: die Größe der Wörter zeigt, wie stark der Zusammenhang zu den Eigenschaften introvertiert und extrovertiert ist. Der Farbverlauf von grau über blau zu rot zeigt, wie häufig das Wort genutzt wurde. So ist das Wort Manga zwar ein starker Indikator für Introversion, wurde aber nur von wenigen Facebook-Usern genutzt. Die Wortkombi love you ist ein starker Indikator für Extraversion und wurde von sehr vielen Usern benutzt.

Auffällig bei Introvertierten sind die Häufung der Wörter Internet, Anime und Manga, sowie diverse andere, typische Nerd-Themen, wie Pokemon, Doctor Who oder Final Fantasy. Bei Extrovertierten stechen die Wörter Party und love you heraus, sowie viele andere Begriffe, die mit Aufregung oder Emotionsbekundungen zu tun haben: can’t wait, exited, amazing…, great…, und viele mehr.

Was machst du gerade?

In der Studie wurden die Statusupdates von 75.000 englischsprachigen Facebook Usern ausgewertet, die ebenfalls einen Fragebogen zu ihrer Person und einen Big Five Persönlichkeitstest über eine Facebook App gemacht hatten. Anhand der in ihren Statusmeldungen genutzten Wörter, konnten Zusammenhänge mit Alter, Geschlecht und Persönlichkeitstyp gefunden werden. Die stärksten dieser Indikatoren für introvertierte und extrovertierte Menschen zeigen die beiden Word Clouds oben, für Männer und Frauen die folgende Grafik.

Die typischen Begriffe von Männern und Frauen (zum vergrößern klicken):

Auffällig bei Männern ist die Verwendung von Schimpfwörtern, wie zum Beispiel diverse Variationen von fuck, und die Häufung von Sachthemen und Videospielen. Bei Frauen dominieren dagegen emotionale Begriffe und Familienthemen, was wieder einmal bestätigt, dass Frauen im Schnitt empathischer – mitfühlender – sind als Männer. Männer zeigten sich zudem besitzergreifender und benutzen öfter Formulierungen wie meine Freundin oder meine Frau, während Frauen in diesem Zusammenhang seltener das Wort mein nutzen.

Menschen mit geringer Gewissenhaftigkeit verwenden ebenfalls häufiger Fluchwörter, Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit schreiben dagegen wesentlich öfter über die Arbeit oder positive Dinge. Abkürzungen wie 2day, miss u oder ur (für you are) werden besonders von Usern mit niedriger Offenheit für neue Erfahrungen genutzt, während solche mit hoher Offenheit gerne über Kunst, Musik, Lesen und Schreiben und auch das Universum sprechen.

Interessant auch, dass Menschen mit hohem Neurotizismus nicht nur mehr über negative Themen schreiben, sondern auch häufiger Schimpfwörter benutzen, und Menschen mit niedrigem Neurotizismus häufiger sportliche Aktivitäten wie Fußball, Basketball oder ein Workout erwähnen. Das bestätigt die Erkenntnisse anderer Studien, dass Sport uns nicht nur körperlich, sondern auch psychisch widerstandsfähiger macht und so Resilienz (Widerstandsfähigkeit) fördern und Depressionen vorbeugen kann.

Ein Programm schätzt Menschen ein

Aus den unzähligen Zusammenhängen von Wörtern und Eigenschaften konnte schließlich ein Computermodell erstellt werden, dass rein anhand der Statusmeldungen versucht hat, den Facebook-User einzuschätzen. Die erstaunlichen Ergebnisse: mit 92%iger Wahrscheinlichkeit konnte das Modell anhand der verwendeten Wörter das Geschlecht des Users korrekt identifizieren und ungefähr bei der Hälfte aller Einschätzungen konnte das Alter des Users auf drei Jahre(!) genau geschätzt werden. Die Persönlichkeit konnte dagegen von der Software nicht ganz so klar beurteilt werden. Allerdings war das Modell immer noch besser, als wenn jemand eine ihm bisher fremde Person einschätzt, ohne Näheres über diese zu wissen.

Die Tatsache, dass ein Computerprogramm anhand unserer Daten und einiger statistischer Berechnungen so viel über uns herausfinden kann, macht die Bedenken über die NSA-Affäre und das Vorgehen großer Datenkraken wie Google und eben auch Facebook deutlich greifbar. Dabei wurden für diese Studie noch nicht einmal sensible, verborgene Daten verwendet, wie z.B. private Nachrichten, sondern nur öffentliche Statusmeldungen. Was solche Programme herausfinden können, wenn ihnen noch mehr Daten zur Verfügung stehen, lässt sich nur vermuten.

Aller Datenschutzbedenken zum Trotz, eröffnet gerade Facebook grandiose Möglichkeiten zu groß angelegten Studien über das soziale und psychologische Verhalten von Menschen, wie man an den Ergebnissen eben dieser Studie sieht – bei der die Teilnehmer ihre Daten natürlich freiwillig zur Verfügung gestellt haben.
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Quelle zu Studie und Bilder:
Personality, Gender, and Age in the Language of Social Media: The Open-Vocabulary Approach
Die komplette Studie und weitere Word Clouds gibt es bei PlosOne

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