Was falsch läuft beim MBTI

Warum das Ende des MBTI aus fachlicher Sicht längst überfällig ist und warum Adam Grant für die Big Five genau das vorschlägt, was ich beim Typentest mache.

Der MBTI: nichts als heiße Luft?

Der MBTI ist ein über 50 Jahre altes Persönlichkeitsinstrument auf Basis der Typologie Carl Gustav Jungs aus den 1920er Jahren. Im Test und der Theorie wird jeder Mensch fest einem von 16 Typen zuordnet, Zwischentypen order Ausnahmen gibt es nicht. Aufgrund seines hohen Alters und fehlender Anpassungen an aktuelle Erkenntnisse ist seine Anwendung sehr zweifelhaft, in den USA ist er aber immer noch der mit Abstand am meisten genutzte Persönlichkeitstest im nicht-wissenschaftlichen Bereich.

Adam Grant, seines Zeichens Professor für Organisationspsychologie in den USA, Buchautor und für seine Forschungen zum Thema Altruismus bekannt geworden, hat einen Artikel und einen Folgeartikel darüber geschrieben, warum der MBTI eine “Modeerscheinung ist, die nicht ausstirbt” und warum er mit dem MBTI “Schluss macht”.  Grants Kommentare als kritisch oder kontrovers zu bezeichnen wäre falsch, denn sie sprechen nur lange bekannte, allerdings für Manchen unbequeme Wahrheiten aus. Grant spricht wie man so schön sagt Tacheles. Und zwar darüber, was alles falsch läuft im System des MBTI. Damit ist er nicht der einzige, denn auch im Guardian und bei Fortune gab es dieses Jahr bereits ähnliche, viel beachtete Artikel über die Unzulänglichkeiten des MBTI.

Was falsch läuft:

Die Hauptgründe gegen den Einsatz des MBTI: Unwissenschaftlichkeit, dogmatische Einteilung in Typen ohne Abstufungen, fehlerhafte Definitionen der Persönlichkeitsdimensionen, und das ignorieren moderner Erkenntnisse der letzten 30 Jahre. Alles Gründe, die auch ich in meiner Kritik am MBTI immer wieder aufführe. Dementsprechend stimme ich Adam Grants Ausführungen auch voll und ganz zu.

“Handlesen und Horoskope können auch zu Einsichten führen. Das bedeutet aber nicht, dass wir über diese Dinge auf der Arbeit in unseren Teams sprechen sollten.”

Einen Grund für die in den USA trotz all dieser Gründe noch so hohe Popularität des MBTI sieht Grant u.a. darin, dass “tausende Menschen Zeit und Geld darin investiert haben, MBTI-zertifizierte Trainer zu werden”. Eine solche Zertifizierung kostet meist deutlich über 1.000 $, was bedeutet, dass die Trainer und Coaches jede Menge Tests an ihre Kunden verkaufen müssen, um dieses Geld wieder herein zu bekommen und noch mehr, um damit Gewinn zu machen. Ein cleveres Marketing-Schema, dass deutlich zeigt, worum es beim MBTI vornehmlich geht: nicht um die Hilfe zur Selbsterkenntnis (denn sonst würde man das System ja tatsächlich verbessern und anpassen), sondern um eine kommerzielle Geldmaschine.

“Wenn du mich zurück willst, musst du dich auch ändern!”

Im Folgeartikel beschreibt Grant seine persönliche “Liebesbeziehung” zum MBTI. Wie er in der High School Bekanntschaft mit ihm geschlossen hat und über Jahre begeistert war, aber wie langsam der Bruch mit ihm kam, da der MBTI nicht bereit war, sich anhand moderner Wissenschaft anzupassen, und sich stattdessen bis heute auf der antiquierten, unwissenschaftlichen Armlehnen-Psychologie C.G. Jung’s ausruht. Grant vergleicht dies mit der katholischen Kirche, die viel zu lange an ihrem Glauben festhielt, dass die Sonne sich um die Erde dreht – und nicht umgekehrt. Die zentrale Frage die er dabei stellt: warum ändert sich der MBTI nicht, wenn man doch bereits seit Jahrzehnten weiß, dass so vieles bei ihm falsch läuft? Bezeichnend ist, dass viele von Grants Kritikpunkten bereits vor 50(!) Jahren in mehreren Studien (hier und hier) von Stricker und Ross mit deutlichen Worten angesprochen wurden – lange vor der Existenz der Big Five. Ernst genommen wurde diese Kritik von MBTI-Seite jedoch nicht – man war damals wie heute zu resistent gegen notwendige Veränderungen.

Vergebliche Liebe

Adam Grants persönliche Erfahrungen decken sich erstaunlich gut mit meinen eigenen: auch ich habe in meiner Jugend im ähnlichen Alter wie er Bekannschaft mit dem MBTI geschlossen (Anmerkung: Adam Grant ist ein Jahr vor mir geboren), war Anfangs begeistert und fasziniert von dieser Art und Weise, Persönlichkeit zu erklären. Wie Grant bin auch ich im Laufe der Zeit immer mehr auf die Limitationen, klaren Fehler und fragwürdigen Aussagen im System des MBTI gestoßen. Setzt man sich von wissenschaftlicher Seite mit ihm auseinander, so merkt man bald, dass beim MBTI so viel falsch läuft, dass fast nichts mehr zu retten ist. Wie bei einem alten Gebrauchtwagen, bei dem so viel im Argen liegt, dass er sich nicht mehr zu reparieren lohnt. Warum also nicht gleich einen neuen Wagen kaufen?

Alles Neu machen die Big Five

Dieser neue Wagen ist im Bereich der Persönlichkeitsmodelle zweifellos das System der Big Five (und dessen Variationen wie Hexaco). Wissenschaftlich ist es das Beste, was die Persönlichkeitspsychologie derzeit zu bieten hat. Dazu kommt – man glaubt es kaum – , dass die Big Five noch nicht einmal etwas kosten. Sie sind umsonst. Dennoch sind sie nach wie vor nicht besonders beliebt (in den USA führen die Big Five im populärpsychologischen Bereich und der Laienpsychologie nach wie vor ein Schattendasein hinter dem MBTI, in Deutschland sind beide nicht besonders bekannt). Denn: sie sind ein hässliches Entlein, dass muss man leider so sagen. Da die Big Five nicht auf einem kommerziellen System beruhen, macht niemand Marketing für sie. Es gibt keine wohlklingenden Slogans und keine Werbebroschüren mit vollmundigen Versprechen, Auflistungen ihrer Vorteile und Anekdoten (was es beim MBTI alles zentnerweise gibt, auch wenn es  nicht immer der Wahrheit entspricht). Vor allem aber sind ihre fünf Bestandteile so ausgelegt, dass jeweils nur eine Seite davon gut klingt: niemand will geringe Verträglichkeit oder Gewissenhaftigkeit haben, denn hohe Ausprägungen erscheinen zweifellos vorteilhafter.

Adam Grant spricht dieses bekannte Probleme der Big Five an und schlägt auch gleich eine Lösung vor: die negativ behafteten Big Five Faktoren umbenennen, so dass jede Seite eine eigene Bezeichnung hat, und zwar eine die positiv ist. Ich könnte nicht mehr zustimmen. Denn genau solche positiven Bezeichnungen nutze ich bereits, Mr. Grant. Beim Typentest Persönlichkeitstest und in meinem Buch Menschenkenntnis – der große Typentest.
~

PS: Adam Grant spricht kein deutsch, daher kennt er meine deutschsprachige Interpretation von Big Five um MBTI im Typentest natürlich nicht.

PPS: Die von mir und Adam Grant ausgeführten Argumente gelten übrigens genauso für alle anderen auf Jung basierenden Persönlichkeitsmodelle, wie David Keirsey’s Temperamente, Sozionik, GPOP, Insights Discovery/MDI, etc.. Die meisten davon haben noch mehr und noch größere Unzulänglichkeiten wie der MBTI.

Andere Persönlichkeitstests, unabhängig vom MBTI: Reiss Profile, Disg, Berufstest, Enneagramm, Charakterstärken

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10 Antworten auf Was falsch läuft beim MBTI

  1. snappyshort sagt:

    Ja, der Mbti ist ungenau und teilweise sehr pauschal, da gebe ich dir im Grunde Recht.

    Allerdings bin ich dennoch ein Anhänger von Jungs Ideen. Zum einen geht es mir nicht wirklich um Exaktheit (Jung auch nicht! Der wollte nämlich eigentlich gar keine richtige Typologie entwerfen bzw. hat es gar nicht…das kam dann erst von anderen, Keirsey, Myers-Briggs etc.), sondern viel mehr um eine Art “sinnstiftende Erklärung”. Jung geht ja sowieso auch eher mehr in philosophische Bereiche mit seinen Archetypen etc. als in die Wissenschaft. Meines Wissens hat er selbst immer wieder von der zu praktischen Auslegung seiner Überlegungen gewarnt. Er hat sich eher als theoretischer Pionier in einem unerforschten Gebiet betrachtet und ist dabei als Mediziner/Psychiater (!!!) durchaus empirisch vorgegangen und hat sich die Sachen nicht einfach in seinem Elfenbeintürmchen ausgedacht. ;-)

    Und genau darin liegt auch ein Vorteil von Jung und seinen Theorien (und den praktisch anwendbaren Folgetheorien): Sie sprechen etwas an, dass nicht mit Wissenschaft und messbaren Tatsachen verfolgt werden kann. Wie auch immer man es nennen möchte (bei Jung ist es meist “das Unterbewusstsein”), es ist für mich der Unterschied zwischen einem klinisch optimal geplanten und perfekt durchstrukturierten Roman und etwas wie Harry Potter oder Star Wars. Die zuletzt genannten Romane/Filme sprechen tiefsitzende Emotionen bei den Menschen an, die vermutlich niemals endgültig und perfekt erklärt werden können. Und ja, beide haben ne ordentliche Merchandising-Maschine am Laufen, aber das ist nun mal nicht alles! Wie zahlreiche Blockbuster-Flopps zeigen, gehört mehr zu so einem Phänomen als etwas Geld für Merchandising zu verpulvern. Filme wie “Avatar” werden sicher auf Dauer nicht so im kulturellen Gedächtnis bleiben, wie es Star Wars bereits ist und Harry Potter oder Herr der Ringe immer mehr werden wird.

    Jung schlägt gewissermaßen mit seinen Theorien eine Brücke zwischen “unerklärlichen Phänomenen” und “Wissenschaft” im weitesten Sinne (allerdings mit -logischerweise – fehlender Exaktheit).

    Die Gründe, die du in deinem Artikel niederschreibst sind alle irgendwo verständlich, allerdings sind sie vielen Leuten einfach egal, weil für sie andere Dinge wichtiger sind. Ich gehöre dazu. Ich möchte keine klinisch perfekte, statische Analyse von mir selbst, inklusive jedes kleinsten Fehlerchens, weil mich das nur unglücklich machen würde. Der Mensch strebt nach Erklärungen (je größer und schwieriger seine Umwelt, desto mehr Sinnsuche und ein Streben nach “Einfachheit”).

    Eine ähnliches Beispiel ist die Homöopathie. In gewisser Weise nicht von der Wissenschaft eindeutig zu erklären, aber sie funktioniert. Und dieses Streben nach “Natur” (weg von “steriler Wissenschaft”) ist scheinbar ebenfalls eine Art Trend, der sich sicher in gewisser Weise mit so nebulösen Begriffen wie Archetypen und Unterbewusstsein von Jung erklären lassen könnte.

    Zusammenfassend gesagt: In Jung steckt zu viel Tiefsinn drin (der eben nicht einfach und praktisch anwendbar ist!), inklusive ein paar Körnchen Wahrheit (sonst hätte er sich auch nicht so verbreiten bzw. im Gedächtnis bleiben können). Wissenschaft ist eben auch nicht perfekt und kann nicht alles (ausreichend!) erklären.

    Das ganze ist nicht böse gemeint, oder so. Ich wollte halt nur mal so ein bisschen “die andere Seite” zu Wort kommen lassen.

    LG

  2. snappyshort sagt:

    P.S. Eine “Möchtegern”-Positivformulierung der Big Five wird meiner Meinung nach nicht wirklich ausreichend für erhöhte Popularität sorgen. ;-)

    Popularität und Exaktheit (inklusive der hässlichen Seite der Dinge) vertragen sich nicht so wirklich. :-P

  3. Lars Lars sagt:

    Hi snappyshort,

    Danke für deinen Kommentar.

    Wieso Möchtegern-postitiv? Beim Typentest sind mittlerweile alle(!) Inhalte komplett Big Five orientiert. Ich benutze für alle Ausprägungen der Eigenschaften echte positive Beschreibungen und denke, dass ich auch für alle Seiten vernünftige positive Eigenschaften gefunden habe. Im Sinne der Evolution (meiner Meinung nach die Zukunft der Persönlichkeitsforschung und zum Glüclk/leider – je nachdem wie mans sieht – keine rein exakte Wissenschaft) macht es auch nur Sinn, das beide Seiten der Eigenschaft Vorteile bietet, denn sonst hätten sie sich nicht entwickelt. Ob nun beide Seiten heutzutage gleichermaßen positiv zu sehen sind, das ist natürlich wieder ein anderes Thema.

    Natürlich ist es Ansichtssache, was einem besser gefällt oder wo man sich selbst besser wiederfindet, gerade wenn man eher an philosophischen Grundlagen und Interpretationen interessiert ist. Jung ist da eh nochmal ein ganz eigenes Thema, wenn auch nicht so meins.
    Das Problem am MBTI ist jedoch, dass es sich hierbei im Gegensatz zu Jungs Überlegungen um ein Geschäftsmodell handelt, dass etwas verkaufen will. Im Gegensatz zu Jung macht dieses Geschäftsmodell ganz konkrete Versprechungen – kann sie aber nicht einhalten. So etwas muss dann auch entsprechend kritisiert werden, siehe Artikel.

    Ganz anderes Thema, aber du hast es angesprochen und dazu muss ich etwas sagen: die Homöpathie ist kein unerklärbares Phänomen, sie hat sogar ganz klar erklärbare Prinzipien und Vorgehensweisen, die auch von ihren Anwendern so postuliert werden, Wikipedia ist hierzu sehr aufschlussreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Hom%C3%B6opathie. Nur gilt das Ganze nachweislich als komplett unwirksam bzw. physikalisch unsinnig. Sie hat keinerlei Wirkungsnachweis, der über Placebos hinausgeht, d.h. sie funktioniert nicht. Deswegen verschreibt diese Placebos auch kein Arzt. Wer böse ist, könnte das ganze sogar als organisierte Abzocke des Verbrauchers bezeichnen. Eine komödiantische Aufbereitung des Homöpathie-Prinzips:
    http://www.youtube.com/watch?v=FT6qT9_Tzf4

  4. snappyshort sagt:

    Naja, nehmen wir zum Beispiel Neurotizismus (der ja im Mbti nicht explizit auftaucht):
    Es ist relativ klar, dass dieser Begriff nur negative Assoziationen hat und selbst wenn man es “positiv” verkleiden will (z.B. sensibel oder so) bleibt ein negativer Beigeschmack haften.

    Wenn das Big Five Modell nun eine ähnliche Relevanz in der Öffentlichkeit hätte, wie der MBTI in den USA (also auch in den Personalabteilungen eingesetzt würde)…was hätte das für Konsequenzen?

    Nunja, entweder würde die Exaktheit des Big Five-Modells leiden (weil niemand sich als “neurotisch” beschreiben bzw davor gewarnt würde) oder alle “Neurotiker” würden arbeitslos werden/bleiben. Welcher Chef stellt denn schon gerne einen “schwachen/negativen” Arbeiter ein, wenn er die Auswahl hat?
    Vielleicht ist das ein guter Grund, warum der Aspekt des Neurotizismus im MBTI nicht eingebaut wurde?
    Ich denke das MBTI-Instrument ist viel effektiver im Kaschieren von negativen Aspekten (was nun mal einen effektiven Nutzen hat).

    Im Grunde fehlt dem Big Five so etwas wie der “pädagogische” Effekt, den z.B. Jung in seiner Theorie verankert hat. Er sagt ja, dass eine Funktion quasi “Kapitän” ist (wie du das auch hier bei Typentest beschreibst) und er sagt, dass dieser Kapitän auch eine Art “Achillesverse” (inferior function) hat. Dadurch hat er den Aspekt der “pädagogischen Entwicklung” mit drin. Das Ziel dieser Typentheorie ist es nämlich die Individuation zu erreichen und dazu muss man sich mit seiner Achillesverse und damit seinem Unterbewusstsein auseinandersetzen und eine Art Gleichgewicht erreichen.
    Diese Entwicklungsdynamik fehlt dem BigFive-Modell. Man wird zu einem Punkt auf einer Skala, die im Prinzip recht wenig aussagt und auch kaum Aussicht auf Besserung oder Entwicklung vermittelt.

    Mir ist da das theoretische “pädagogische Prinzip” im Hintergrund wichtiger als die exakte Beschreibung meiner Persönlichkeit. Und ich vermute, dass es vielen so geht.

    Aber noch kurz zu deinen weiteren Punkten:
    - Ja, der MBTI ist ein Geschäftsmodell und kommerzialisiert und ich bin da auch kein sonderlicher Fan von. Aber so läuft das ja nun mal heutzutage. ;-) (auch wenn es noch genug kostenfreie Inhalte und Seiten zu dem Thema gibt!) Leider bringt der MBTI auch Jung eben etwas in Verruf, weil oft angenommen wird, dass Jung da irgendwie hintersteckt (was ja nur teilweise stimmt, da wichtige Prinzipien seinerseits zugunsten der praktischen Verwertbarkeit über Bord geworfen wurden).
    Allerdings möchte ich hier noch den Gedanken anmerken, dass es vielleicht doch nützlicher ist, wenn die breite Masse ein bisschen Psycho-Wissen mitnimmt, das nicht 100%ig up-to-date ist, als gar nix mitzunehmen, weil Big Five zu kompliziert/zu langweilig oder was weiß ich ist. Denn immerhin ist das MBTI auch kein Hexenwerk das total falsch ist! Immerhin tauchen ja 4 der 5 Big Five Dimensionen mehr oder weniger im MBTI auch auf…wie du gut auf deiner Website beschreibst.

    - Ich habe mich mit der Homöopathie-Debatte noch nicht auseinandergesetzt, weil ich mir auch gar nicht sicher bin, wem ich da wirklich was glauben soll. Fakt ist nur, dass ich gewisse Therapien/Mittel schon genutzt habe und sie irgendwie gewirkt haben. Selbst wenn es nur Placebo sein sollte, funktioniert der Kram und trickst mein Hirn aus…keine Ahnung! :-D
    Außerdem kenne ich auch Ärzte, die sich im homöopathischen Bereich weitergebildet haben und quasi beides anbieten. Wenn das nur ein geniales Geschäftsmodell ist, soll es eben so sein. Solange es eben funktioniert. ;-) (Was ja die Frage aufwirft, ob der Mensch am Ende in der Lage ist, sich fast nur mithilfe seiner Gedanken/Placebo-mäßig selbst zu heilen?! O.o)
    Mir ging es eigentlich nur darum, dass auch hinter der Homöopathie (siehe Star Wars, Harry Potter etc.) irgendetwas hintersteckt, dass dem Menschen (zur jetzigen Zeit!) imponiert und gefällt.
    Meine These ist es, dass diese (weniger wissenschaftlichen) Phänomene irgendwas im Menschen berühren. Und die Erklärung dieser Phänomene hat irgendwas mit Jung und seinen Archetypen zu tun.

    Bzw. Das Fehlen solcher “Berührungspunkte/Archetypen” führt eben dazu, dass BigFive oder gewisse “sterile” Blockbuster etc. in der kulturellen Wahrnehmung durchfallen. So eine Art Re-Romantisierung oder Mythologisierung nach der sehr wissenschaftlichen Aufklärung… :-)

  5. Lars Lars sagt:

    Hi Snappyshort,

    da hast du absolut Recht, das dass “magische” bzw. die Romantisierung viele Menschen anspricht. Genauso gibt es aber viele Menschen die sich vom rationalen angesprochen fühlen – oder von beidem. Das ist dann Geschmackssache.

    Der MBTI ist sicher kein Hexenwerk und in vielen Bereichen gar nicht so weit daneben. Trotzdem finde ich es ziemlich schrecklich, den MBTI in der Personalabteilung einzusetzen, denn da wird das Ganze viel zu ernst und genau genommen – das ist exakt das, was du an den Big Five bemängelst. Zu mehr als einer Spielerei taugt der MBTI meiner Meinung nach nicht.

    Du darfst nicht vergessen, dass das Ziel der Big Five ist, die Realität möglichst gut abzubilden. Und wenn in der Realität die Mehrheit der Menschen eine Eigenschaft negativ empfindet (bei sich selbst und bei anderen), wie Neurotizismus, dann kann man dem nur schwer widersprechen. Soll man dann diese Eigenschaft nicht berücksichtigen, nur weil Sie negativ ist? Immerhin macht sie einen entscheidenden Teil der Persönlichkeit aus.

    Hast du mein Buch gelesen? Darin geht es ziemlich ausführlich darum, was der Punkt auf der Skala bei den Big Five aussagt. Er sagt sehr viel mehr aus, als ein “Typ”. Denn ein Typ sagt nur entweder/oder. Keine weitere Information enthalten. Der Punkt auf der Skala sagt aus, wie stark eine Eigenschaft ausgeprägt ist und bietet dadurch eine Menge Raum für Interpretationen, besonders im Zusammenhang mit den anderen Eigenschaften und deren Ausprägungen.
    Die Sache bei den Big Five ist, dass es kein festes Modell gibt, nach dem man die Ergebnisse interpretiert – und bei vielen Tests werden sie gar nicht interpretiert. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten zur Interpretation – viel viel mehr als beim Mbti, wo alles festgelegt ist und in einem bestimmten Rahmen gepresst wird. Das die gegenüberliegende Seite einer Ausprägung die Achillesverse ist, kann man bei den Big Five genauso interpretieren (erkläre ich auch in meinem Buch) und der Kapitän ist wie du ja festgestellt hast im Endeffekt das gleiche wie die Hauptfunktion bei Jung, nur das es viel mehr Interpretations- und Kombinationsmöglichkeiten gibt, da man auch mehrere gleichwertige Kapitäne haben kann, etc.. So kann jeder seinen individuellen “Typ” finden, der im Gegensatz zum MBTI kein vorgestanztes Muster ist, sondern wirklich individuell aus den Testergebnissen hervorgeht.

    Bei den Big Five gibt es also jede Menge “pädagogisches” bzw. Entwicklungspotential. Nur meistens werden einfach nur die Ergegebnisse betrachtet und das wars. Das ist natürlich weder spannend noch besonders hilfreich. Dem versuche ich entgegenzuwirken und Alternativen aufzuzeigen mit Webseite und Buch.

  6. snappyshort sagt:

    Nur um das nochmal festzuhalten: Du machst einen hervorragenden Job mit dieser Seite hier (sonst wäre ich auch kein so fleißiger Leser ;-) ).

    Meine “Kritik” bezog sich auf der einen Seite eben die indirekte Kritik an Jung, die meiner Meinung nicht völlig gerechtfertigt ist und auf der anderen Seite wollte ich eine mögliche Erklärung liefern, warum der MBTI in der öffentlichen Wahrnehmung eine viel größere Rolle spielt als die BIG FIVE (basierend auf meinen eigenen, sehr persönlichen Präferenzen). Mich interessieren eben mehr die “warum”-Systeme (Jung/Enneagramm etc.), nicht die “wie genau”-Systeme.

    Aber ich möchte auch noch auf deine genannten Punkte eingehen:

    - Ich schließe mich deiner Kritik an, was den MBTI und die Personalabteilung betrifft, wie gesagt: Ich bin kein Fan dieser Kommerzialisierung, denn die ist auch der Grund, warum Jung so “geächtet” wird in wissenschaftlichen Kreisen. Ihm ging es nicht wirklich um eine praktische Anwendung. Grundsätzlich sehe ich da auch oft das Dilemma: Je mehr man so ein theoretisches Thema, wie die Psyche des Menschen, “praktisieren” will, desto ungenauer wird das Ganze. Theorie und Praxis eben…

    - Ich gebe dir Recht, dass es die Aufgabe der Wissenschaft ist, die Realität möglichst optimal abzubilden bzw zu erklären. Die Wissenschaft hat sich der Annäherung an die “Wahrheit” verschworen. Alles ok soweit. Nur muss man zum einen kein “Fan” der Wissenschaft sein, weil “die Wissenschaft” nun mal auch recht arrogant wirken und auch nicht alles erklären kann.
    Und gerade mit dem Neurotizismus ist es ein Problem, was die Wissenschaft daran hindert ihre Erkenntnisse einer sehr breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Ein Großteil der Menschen strebt nicht nach “Wahrheit” und verschließt lieber die Augen davor, es sei denn die “Wahrheit” ist positiv…

    - Nein, ich habe dein Buch noch nicht lesen können, weil ich ein bettelarmer Student bin (;-) ), der oft kostenlose Blogs und Seiten wie diese hier angewiesen ist, um seinem Interesse an psycho-philosophischen Themen nachzugehen. ;-) Aber ich habe das Buch schon länger in der Favoritenliste, wenn denn mal ein Groschen über sein sollte… ;-)
    Du hast Recht, dass die Big Five sicher viele Interpretationsmöglichkeiten eröffnen kann! Ich habe auch gestern erst deine Neurotizismus-Seite gesehen, wo du da recht gut aufzeigst, wie das aussehen kann.
    Allerdings vermute ich (wieder: Basis sind meine persönlichen Vorlieben): Diese festen Muster/Typen faszinieren Menschen. Man hat einen relativ festen Punkt der Identifkation und eine Art Gruppenbewusstsein (“Yeah, ich gehöre zu den Träumern!”). Es mag nicht exakt sein, aber irgendwie erfüllt es emotionale Bedürfnisse nach Geborgenheit oder eben auch Abgrenzung. Ich vermute, dass irgendwo darin auch die Grundlage für diese vielen (meist negativen) Vorurteile liegt, von denen wir Menschen irgendwie nicht genug kriegen können.
    Man ist irgendwie etwas “orientierungslos” beim Big Five, ein paar Punkte in einer sehr weiten Welt. Um daraus einen Sinn zu machen, braucht es wahrscheinlich viel Arbeit, die viele Menschen nicht eingehen wollen. Aber ich finde es sehr gut, dass du dich dieser Aufgabe verschrieben hast. :-)

  7. Lars Lars sagt:

    Hi snappyshort,

    Wow, Danke für das Lob :)

    Viele Inhalte des Buches werden auch noch in der einen oder anderen Weise ihren Weg auf die Seite finden, z.B. wird es noch genauer um den Kapitän der Persönlichkeit gehen und auch um die Evolution Der Persönlichkeit, aber das dauert natürlich eine Weile, bis ich zu allem komme.

    Diese Orientierungslosigkeit ist genau DAS zentrale Problem der Big Five. Man bekommt recht detaillierte Ergebnisse, zieht man die Unterfacetten jeder Eigenschaft noch mit ein, siehe Big Five Facetten , dann bekommt man sogar ein sehr detailliertes Ergebnis (im Buch nutze ich eine einfachere, abgewandelte Version der Facetten). Nur was das nun genau bedeutet, was man damit machen kann und vor allem wie man diese Eigenschaften entwickeln kann, damit wird man bei den Big Five Tests allein gelassen. Deswegen faszinieren und begeistern feste Typen so viele, denn da hat man einfach etwas konkretes in der Hand.

  8. snappyshort sagt:

    Ich denke, bevor du alle Inhalte auf die Seite geschafft hast, hab ich dein Buch schon gelesen. Ist ja bald Weihnachten! ;-)

    Ja genau, du bringst es auf den Punkt! Feste Typen contra Orientierungslosigkeit. Aber vielleicht gelingt es dir ja wirklich diese “Brücke der Systeme” zu überwinden. :-)

  9. Friedl222 sagt:

    Spannend. Während ein Teil der Welt (der größere Teil) heute noch mehr ins Detail geht, so wie auch diese Seite – gibt es einen anderen Teil der Welt, wie soll man den nennen? (Inkarnation?) – der die Welt vereinfachen möchte.

    Irre spannend, mich würde mal interessieren wer jetzt gewinnt.
    Einfach oder kompliziert?
    Prinzipien oder Regeln?
    Das Ganze oder das Sequenzielle?

  10. snappyshort sagt:

    @Friedl222:

    Gewinnen wird immer die Masse und die Masse geht normalerweise nicht in die Tiefe, sondern mag es klar und einfach.

    Allerdings braucht die Masse natürlich auch die einzelnen “Tiefseetaucher”, die engagiert ins Meer der Details eintauchen, um Perlen der Wahrheiten und/oder Weisheiten für die Masse zu finden. ;-)

    Es gibt das Eine nicht ohne das Andere und beide sind wichtig…

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