Die Persönlichkeitseigenschaft, die niemand will? Neurotizismus

Im Rahmen des großen Updates gibt es heute eine weitere, entscheidende Neuerung: die 5. Eigenschaft im Typentest Persönlichkeitstest.

Vorzeigeneurotiker Woody Allen. Bild von Raffi Asdourian

Was ist dieser Neurotizismus überhaupt?

Neurotizismus ist eine Persönlichkeitseigenschaft, die sehr bedeutend ist und einen großen Teil unseres Verhaltens bestimmt. Bei älteren Persönlichkeitsmodellen wie MBTI und C.G. Jung wird sie nicht direkt berücksichtigt, aber in der Persönlichkeitsforschung und bei fast allen modernen Persönlichkeitsmodellen, wie den Big Five, ist sie ein elementarer Bestandteil.
Menschen mit hohem Neurotizismus machen sich häufig Sorgen oder verspüren Ängste, grübeln endlos darüber nach, was alles schief gehen könnte, haben ein geringes Selbstwertgefühl und werden allgemein oft und schnell von negativen Gefühlen aller Art geplagt. Ein Paradebeispiel hierfür ist der Regisseur und Schauspieler Woody Allen, der in seinen Filmen oft das Klischeebild des Stadtneurotikers, und die diversen Ausdrucksformen von Neurotizismus verarbeitet. Neurotizistische Menschen verspüren negative Emotionen schneller, häufiger und stärker. Sie können sich nur schwer dieser negativen Einflüsse erwehren, bei ihnen schwappt das Fass schnell über. Vereinfacht gesagt: sie sind empfindlich. Deswegen heißt diese neue, 5.te Persönlichkeitseigenschaft im Typentest Empfindlichkeit.

Empfindlichkeit und Resistenz

Das Gegenteil von Empfindlichkeit ist Resistenz: auch bei Stress einen kühlen Kopf bewahren, nur selten Ängste und Sorgen verspüren, generell selbstsicher, ruhig und ausgeglichen zu sein, und sich nur schwer aus der Ruhe bringen lassen. Paradebeispiel hierfür sind die zahlreichen Helden aus Film und Fernsehen, z.B. James Bond oder Captain Kirk. Aber nicht nur auf der Leinwand gibt es Menschen, die eine höhere Widerstandsfähigkeit als andere aufweisen, sondern auch im echten Leben. Extremsportler wie z.B. Felix Baumgartner haben eine sehr geringe Empfindlichkeit und dementsprechend eine hohe Resistenz. Ansonsten könnten sie die gefährlichen Dinge, die sie tun, nicht machen, sondern würden sie aus Angst gleich lassen. Das ist auch eine der wenigen negativen Auswirkungen von niedrigem Neurotizismus: eine verminderte Wahrnehmung von Angst, Gefahr und möglichen Problemen.

Die beiden gegensätzlichen Ausprägungen dieser Persönlichkeitseigenschaft werden im Typentest als resistent und empfindlich eingestuft (+ natürlich auch diejenigen in der Mitte, der Balance). Die genaue Ausprägung lässt sich im neuen Typentest XL einschätzen. Auch in der Kategorie der Persönlichkeitseigenschaften werden beide Ausprägungen kurz erklärt, und schließlich gibt es auch die neue, eigene Unterseite zum Thema Neurotizismus und dessen Merkmalen. Dort gibt es auch eine Tabelle, wie sich Neurotizismus/Empfindlichkeit im Zusammenhang mit den anderen Persönlichkeitseigenschaften auswirkt. Denn im kurzen Typentest und bei den 16 Typen wird diese Eigenschaft bisher nicht berücksichtigt. Hier bin ich noch unschlüssig, ob ich Neurotizismus mit in die Profile aufnehmen soll, ganz rauslasse, oder vielleicht unabhängige Extra-Profile für alle Typen mache. Gerne dürft Ihr mir eure Meinung hierzu schreiben.

Unbeliebt, aber enorm wichtig

Hoher Neurotizismus ist sicher eine Eigenschaft, die sich niemand wünscht, denn sie ist hauptsächlich mit negativen Dingen verknüpft. Im Gegensatz zu den anderen Eigenschaften, wie z.B. introvertiertextrovertiert, lässt sich nicht beiden Seiten klar Positives abgewinnen. Dennoch ist sie ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeit. Sie sagt sehr viel darüber aus, wie wir reale und eingebildete  Gefahren wahrnehmen, ob wir uns generell wohl in unserer Haut fühlen, und wie häufig wir mit Problemen und negativen Gefühlen zu kämpfen haben. Diese Eigenschaft ist nicht unbedingt beliebt, aber sie ist etwas ganz Normales, und nicht zuletzt liegen ca. 50% aller Menschen auf der empfindlichen Seite – wenn auch mit unterschiedlich starker Ausprägung, und die meisten davon eher in der Mitte, der Balance. Der Umgang mit Menschen mit hohem Neurotizismus ist nicht immer leicht, wie nicht zuletzt auch der Zusammenhang dieser Eigenschaft mit einigen Persönlichkeitsstörungen zeigt.

Ausführliche Erklärungen, evolutionstechnische Hintergründe, Beispiele, und vor allem auch Tipps zum besseren Umgang mit Neurotizismus und mit Menschen, die dort eine hohe Ausprägung haben, gibt es im Typentest Buch.

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