Warum Introvertierte anders auf Gesichter reagieren als Extrovertierte

Einer Studie zu Folge reagieren die Gehirne von Extrovertierten stärker auf Gesichter, als die von Introvertierten.

Extrovertierte richten mehr Aufmerksamkeit auf Gesichter von Menschen, während das Gehirn von Introvertierten kaum anders auf Bilder von Gesichtern reagiert, als auf Bilder von Blumen. Das könnte einer der Gründe sein, warum Extrovertierte mehr nach sozialen Kontakten suchen, während Introvertierte auch ohne allzu viel Gesellschaft zufrieden sind.

Einen Grund dafür, warum Introvertierte gerne alleine sind, scheinen US-amerikanische Forscher gefunden zu haben.

In den letzten Jahren wurde immer wieder versucht, Persönlichkeitsfaktoren mit Gehirnaktivitäten in Verbindung zu bringen. Besonders beim Faktor IntrovertiertExtrovertiert konnte man dabei vielfach erfolgreich Zusammenhänge nachweisen, z.B. das Extrovertierte stärker auf Belohnungen reagieren und deshalb aktiver nach ihnen bzw. Glückmomenten suchen. Zwar heißt das nicht, dass bei den einen Menschen im Gehirn ein grünes Lämpchen angeht und bei den anderen nicht – so einfach gestrickt sind diese Verbindungen nicht – aber es heißt z.B., dass bei Extrovertierten das Gehirn stärker auf bestimmte Ereignisse reagiert, als bei Introvertierten. Und es zeigt uns, dass zumindest die Persönlichkeitsdimension von Intro- und Extroversion keine rein psychologische, künstliche Kategorie ist, sondern tatsächlich in unserem Nervensystem und Gehirn Spuren hinterlässt und nachweisbar ist. Sie ist fest in unserem Körper verankert. Einer der Gründe, warum sich die Persönlichkeit im Lauf des Lebens nur wenig verändert. Für die anderen Persönlichkeitsdimensionen der Big Five wurden bisher noch keine so klaren Zusammenhänge gefunden, aber sicher hält die Forschung in der Zukunft noch einige Überraschungen auf diesem Gebiet für uns bereit.

Zurück zu Introvertierten und Extrovertierten. Konkret erforscht wurde von den Neurologen die Gehirnaktivität der Studienteilnehmer. Dabei wurden ihnen Bilder gezeigt: Aufnahmen von Gesichtern und von Blumen. Während sie die Bilder sahen, wurde ihre elektrische Aktivität im Gehirn gemessen. Entscheidend ist dabei die P300 (Wikipedia), eine ins positive ausschlagende elekrtrische Welle in der Gehirnaktivität, die nach sich verändernden äußerlichen Reizen auftritt. Der Ausschlag dieser Welle sagt etwas darüber aus, wie viel Aufmerksamtkeit das Gehirn dem vorhergehenden Reiz (in diesem Fall dem Bild) zukommen lässt. In der Studie hat sich gezeigt, dass bei Extrovertierten diese Welle stärker auf Gesichter von Menschen reagiert, als bei Introvertierten. Umso stärker die Extroversion der Person, umso stärker war die Welle. Bei Introvertierten war die Reaktion im Gehirn auf sich verändernde Bilder von Gesichtern dagegen kaum anders, als die auf sich verändernde Bilder von Blumen.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Gesichter spielen für Extrovertierte eine größere Rolle als für Introvertierte. Das ist erst einmal nicht weiter überraschend, schließlich gelten Extrovertierte als geselliger und kommunikativer, suchen aktiver nach sozialen Kontakten. Interessant ist aber, dass sich diese Vorliebe für die Gesellschaft anderer Menschen tatsächlich auch im Gehirn messen lässt. Es zeigt sich, dass soziale Aktivitäten (=Gesichter) im Gehirn von Extrovertierten eine höhere Aufmerksamkeit erzeugen. Wörtlich interpretiert bedeutet dies, Extrovertierte richten in ihrem Gehirn mehr Aufmerksamkeit auf andere Menschen. Introvertierte reagieren dagegen nicht so stark auf Gesichter, sie zeigen kaum eine stärkere Reaktion wie bei Bilden von anderen Dingen – ein möglicher Grund, warum sie gerne alleine sind und nicht so viel Gesellschaft und soziale Kontakte brauchen bzw. suchen wie Extrovertierte. Vereinfacht gesagt: ob sie Gesichter sehen oder nicht, macht keinen großen Unterschied für Introvertierte.

Noch nicht geklärt ist, was nun Ursache und was Wirkung ist: führt die stärkere Aufmerksamkeit für Gesichter bzw. Menschen dazu, dass eine Person extrovertiert wird? Oder führt umgekehrt Extroversion zu einer stärkeren Aufmerksamkeit bei Gesichtern? Vielleicht werden zukünftige Studien dies klären können.

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Ähnliche Artikel: Schüchternheit überwinden, Die Macht von Introvertierten, Die Macht von Introvertierten Teil 2, Barrack Obama ist introvertiert!, Ambivertiert

Quelle zur Studie:
Do extraverts process social stimuli differently from introverts?; Inna Fishman, Rowena Ng, Ursula Bellugi; 2011
Bericht bei Livescience oder komplette Studie lesen

Bild: Flickr-User tuppus

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